Dienstag – ein ganz normaler Arbeitstag im Jahr 2016

 

Rechtzeitig zu Halloween:

Dies ist ein fiktiver Bericht aus dem Jahr 2016.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen als
auch Ähnlichkeiten mit existierenden oder bereits verwahrlosten
Fußgängerzonen sind rein zufällig!
Der Begriff „Sekte“ wird in seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet:
Wikipedia: Sekte (von lateinisch: secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘)
ist eine Bezeichnung für eine religiöse, philosophische oder politische Richtung
und ihre Anhängerschaft.

Sollte sich jemand durch diesen Bericht angegriffen fühlen – es ist ein fiktiver
Bericht und da Sie nicht erfunden wurden sondern echt sind betrifft es Sie nicht!

Und jetzt geht´s los:

Es ist Dienstag, ein ganz normaler Arbeitstag im Jahr 2016

Ich gehe durch eine der zahlreichen Begegnungszonen – es ist still
– gespenstisch still für eine Stadt wie Wien.

Auf verschmutzten, unansehnlichen Sitzmöbel unbekannter aber
hochbezahlter Designer sitzen Menschen und verweilen.
(„verweilen“ wurde 2015 zum Unwort des Jahres gewählt, im aktualisierten Duden
wird es wie folgt erklärt: „sich selber beim Ausruhen vormachen, die Welt wäre nur grün“)

Die Menschen sitzen dort nicht um einander zu begegnen, auch nicht um kurz
vom anstrengenden Arbeitstag in mitten des penetrant ins Auge stechenden Grüns
und den ebenso penetrant in die Nase stechenden Gestank auszuruhen, sie verweilen und beobachten, weil das die einzige Betätigung ist die ihnen noch geblieben ist.

Es ist still in den Geschäften rund um die Begegnungs- und Fußgängerzonen,
zu still für eine Stadt wie Wien.

In einigen Geschäften die noch nicht geschlossen haben, sieht man vereinzelt Angestellte die auf Kunden hoffen. Ihre ehemaligen Kollegen die bis vor kurzem noch Arbeit hatten beobachten sie neidisch und wehmütig von den Sitzmöbeln aus.

Vor einen Geschäft tummeln sich auffallend viele Menschen – es ist eine von dutzenden Filialen von „GrünRad“ einem Fahrradfachgeschäft des Monopolisten Vassilogic & Töchter GmbH , der ganz Österreich mit Fahrrädern und Zubehör versorgt.

Ein paar Schritte weiter, zwischen zerdrückten Bierdosen und alten zerknüllten
Zeitungen ein kleines weißes Kreuz. Der kleine Bub der hier vor einigen Wochen
beim Spielen schwer gestürzt ist, ist wenige Stunden später gestorben.
Es steht neben einem der Trampolin-Sitzmöbel die nun nach zahlreichen schweren
Unfällen in kleine Kinderplantschbecken umgebaut werden sollen.

Entlang der gesamten Straße liegen alte Verkehrsschilder die von einem Räumfahrzeug gesammelt und entsorgt werden. Studien haben ergeben, dass diese Schilder mittlerweile überflüssig sind. Sie werden recycelt und zu Billigfahrrädern verarbeitet. Bezahlt durch die Steuern der Bürger dieser stillen Stadt.

Selbst diese Fahrräder können sich die wenigsten leisten.
Teurere Räder wie z.B. das „GBTR“ (grüner Blitzturboraser) bleiben
der grünen Elite vorbehalten und können nur mit einem Mitgliedsausweis
der DGSÖ – Die Grüne Sekte Österreichs – gekauft werden.

Im Gegensatz zu den Billigfahrrädern ist eine Halterung für die mittlerweile gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichentafeln nicht vorgesehen, da diese Modelle einer Ausnahmeregelung unterliegen.

Weiter vorne, in einem ehemaligen Fastfood-Restaurant wird Bio-Ware angeboten,
die ebenfalls nur mit dem Ausweis der DGSÖ gekauft als auch verkauft werden darf.
Hersteller der Waren können sich um eine Verkaufslizenz bewerben, die von der DGSÖ nach einer genauen Prüfung vergeben wird.

Ist bzw. war der Bewerber oder ein Familienmitglied im Besitz eines KFZ ist die Vergabe einer Verkaufslizenz nicht möglich. In vereinzelten Fällen sind Ausnahmeregelungen bekannt, die aufgrund der Anzahl Fahrräder (pro Person mindesten 2, jedoch muss es sich dabei um die Marke GBTR handeln) erteilt wurden.

Gleich daneben , unter einem der zahlreichen Bäumen die in den letzten Jahren ohne Plan und Konzept gepflanzt wurden, steht weinend eine junge Frau, den Blick auf den Ast an dem ein durchgeschnittener Strick hängt gerichtet, und wiederholt immer wieder die Worte:

„Warum hast du das gemacht, warum?“.

Das Baby in ihrem Bauch wird seinen Vater, der mit seinem Rad in eine Kindergartengruppe gerast ist und mehrere Kinder schwer verletzt hat, nie kennenlernen. Die Gruppe war auf dem Weg auf den auf der Straße neu errichteten Spielplatz.

Die Polizei spricht von Selbstmord – auf der Straße erzählt man sich eine andere Geschichte!

Der Mann war Mitglied beim DGSÖ – von Rechtswegen wäre ihm nichts passiert, denn Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern passieren täglich und werden auch von den zuständigen Stellen bestraft – im Falle eines Unfalls zwischen einem Mitglied der DGSÖ und einem Nichtmitglied erfolgt jedoch das schnelle Verfahren, denn der Leitsatz der DGSÖ „Schuld sind die Anderen“ wird auch von den Richtern sehr ernst genommen und entsprechend im Urteilsspruch berücksichtigt.

Die Kindergartengruppe gehörte nicht zum DGSÖ.
Die Spielplätze sind nun verwaist – zu gefährlich ist der Weg dorthin!

Drei unterschiedlich große Streifen unterteilen die Straße – ein schmaler, für die Fußgänger, ein mittelbreiter für jene die mit billigen Rädern unterwegs sind und ein überbreiter, mit Flüsterbelag ausgestatteter Luxusstreifen für die Mitglieder der DGSÖ.

Ein einziges hat die Massenrodung der Verkehrszeichen überstanden und steht alle paar Meter entlang fast jeder Straße Wien: „Vorrang für DGSÖ“.

Der Flüsterbelag ist eigentlich völlig unnötig, denn in den meisten angrenzenden Häusern gibt es keine Wohnungen mehr, da diese zu Fahrradgaragen im Luxussegment umgebaut wurden. Für jedes Fahrrad muss seit 2014 mindestens
10 m2 überdachte Fläche geschaffen werden. Es wurde auch eine sogenannte Fahrrad-Stellplatzverpflichtung eingeführt – bei jeder Geburt ist ein Fahrradstellplatz zu schaffen oder anzumieten.

Mittendrinnen das leise Plätschern eines Baches der sich durch graubraunen Sand seinen Weg Richtung Kanalisation sucht. Aus der einstigen Strandpromenade ist ein von Hundekot, Urin und anderen grausigen Dingen verseuchter Sondermüllhaufen geworden, den nicht einmal die Grüne Brigade, eine Spezialeinheit für Entgrünungsprobleme der Stadt Wien wegräumen möchte.
Ihr Slogan: „Wo wir sind wird´s grün“, wurde von einer DGSÖ nahen Werbeagentur erfunden – kolportiertes Budget 20,5 Millionen grüne Pfund (ca. 5,5 Mio Euro).

Aus den Plänen einer mittlerweile ausgewiesenen Politikerin, den südlichen Teil Österreichs inklusive Italien bis zur Adria zu fluten, um das Meer bis nach Wien zu holen ist nichts geworden.

Bei den Versuchen wurden zahlreiche Landstriche überflutet die seither nicht mehr genutzt werden können.

Experten haben vor Start der Testphase auf die geologischen Umstände hingewiesen und festgehalten, dass dieses Projekt nicht erfolgreich umgesetzt werden kann.
Befürworter des Projekts setzten eigene Experten ein (Qualifikation: war auf Urlaub in Bibione, Lignano oder Caorle) die zu folgendem Ergebnis kamen: „alles ist möglich – die Leute müssen sich nur daran gewöhnen“

Eine daraufhin gestartete Umfrage unter den Bewohnern des nördliche Teils Wiens mit der Fragestellung: „Ist das Meer nass – JA/NEIN“ , welche mit überwältigender Mehrheit mit JA beantwortet wurde, diente somit als Argument für den Start des Projekts.

Ein älteres Ehepaar, das engumschlungen (nicht aus Verliebtheit sondern um den GBTR-Fahrern so wenig Aufprallfläche wie möglich zu bieten) vor den Resten der Strandpromenade steht, hört man über die guten alten Zeiten plaudern, als „das Leben hier pulsiert hat“, „wo man sich gerne den öffentlichen Raum mit den Autos geteilt hat“, „wo es allen gut ging“, „wo Wien positiv anders war“, „wo es nicht zu ruhig war für ein Stadt wie Wien“.

Sie plaudern über ihr gutes altes Auto, mit dem sie Jahre lang in den Urlaub gefahren sind, den sie meistens in Österreich verbracht haben. Jetzt bleiben Sie in Wien denn der Weg in die überfüllten Bahnen ist ihnen zu beschwerlich und Koffertragen – das ging früher noch viel leichter.

Ihr Auto steht wie fast alle anderen Autos auf dem rund um Wien erbauten
Parkring Nr2.

Eine riesige Fläche für die zahlreiche Vororte Wiens dem Erdboden gleich gemacht und zubetoniert wurden. Mit einer Breite von bis zu 8,7 km umschließt dieser Ring aus Beton ganz Wien. 90% der Autos die dort stehen wurden den Besitzern durch Zwangsenteignung weggenommen und verrotten seither.

Wo sind eigentlich jene die für Verfall Wiens verantwortlich sind?

Hier in der Begegnungszone begegnen sich nur Ekel, Hass und Armut.

2015 wurden die Verursacher zwar ausgewiesen, aber die Versuche der neuen Verantwortlichen die Stadt zu retten kamen zu spät.

Wo sind die ganzen Mitglieder der DGSÖ? Bis auf jene die mit den anderen Geschäfte machen ist keiner mehr in diesem Stadtteil zu sehen.

Vielleicht sind sie in die neuen Stadteilen Wiens gezogen, die extra geschaffen wurden, als man gemerkt hat, dass die Testreihe der damaligen Vizebürgermeisterin Vassilakou schief geht und ein neues Biotop für die grüne Elite geschaffen werden musste?

Ich will es jetzt wissen – in den nächsten Tagen werde ich mich ökologisch hochwertig verkleiden, mit einem geborgten GBTR hinfahren und dieses Biotop heimlich besuchen.

Warten wir ab ob ich jemals einen Bericht darüber werde schreiben können – ich habe Angst!